Marketplace Tschechien: Ausländische Konkurrenz hat das Zeug, den Markt beben zu lassen

Marketplace Tschechien: Ausländische Konkurrenz hat das Zeug, den Markt beben zu lassen

Marketplace Tschechien: Ausländische Konkurrenz hat das Zeug, den Markt beben zu lassen 150 150 Adrian Banasch

Die Tschechische Republik ist aktuell einer der am schnellsten wachsenden E-Commerce-Märkte in Mittel- und Osteuropa, auf dem einige arrivierte Player den Markt unter sich aufgeteilt haben. Ausländische Portale sehen jetzt ihre Chance, einen eigenen Marketplace in Tschechien aufzubauen. Wie genau die Situation aussieht, zeige ich dir in diesem Beitrag

Onlinemarktplätze in Tschechien: Diese Marketplaces gibt es und so teilt sich der Markt auf

Onlinemarktplätze funktionieren in Tschechien ähnlich wie in anderen europäischen Ländern. Auffällig ist allerdings die große Anzahl von E-Shops – der Markt in Tschechien ist gesättigt. Die größten Onlinemarktplätze werden bisher von Marken wie Alza, Mall oder Heureka betrieben, dazu gibt es seit ein paar Jahren noch Amazon.
Alza.cz ist ein Riesen-Onlineshop mit über 40 Filialen, über 2.500 AlzaBoxen (eigene Paketstationen) und knapp 20.000 Partnerpunkten allein in Tschechien. Alza bietet auch den Verkauf über einen Marketplace an. Die Online-Plattform hat für Händler aus dem Ausland ziemlich hohe Eintrittsbarrieren. Um dort zu verkaufen, muss man eine gültige tschechische Mehrwertsteuernummer und ein Warenlager in Tschechien haben.
Mall bezeichnet sich als Online-Shop mit eigenem Produktportfolio. Vertrieben werden allerdings auch Waren im Namen von Partnern. Über ein Marketplace-Partnerprogramm gibt es Chancen nicht nur für einheimische Verkäufer. Wichtig – für alle Produkte muss eine Bedienungsanleitung in tschechischer Sprache mitgeliefert werden. Mein Blick auf den Markt zeigt mir, dass deutsche Unternehmen hier aktuell eher selten anzutreffen sind. Das mag auch an den spezifischen Eigenheiten wie Kommunikation, Abrechnungen, Versand, Zahlungsmethoden etc. liegen. Es kann sich aber trotzdem lohnen, Waren über Mall zu verkaufen, solide bis hohe Profite sind möglich. Wenn du mehr darüber wissen willst, sprich mich gern an .
Zu den großen Onlinemarktplätzen in Tschechien gehört auch Heureka. Der Marketplace funktioniert in Tschechien primär über Preisvergleiche bzw. als Produktsuchmaschine mit Weiterleitung zum Webshop (Pay-per-Click) und bietet zusätzlich noch eine Marketplace-Funktion für externe Online-Shops. Um dort einen Shop über Marketplace einzurichten, muss man sich zum Beispiel bei Ověřeno zákazníky eintragen – ein Kundenbewertungs-Programm wie Trusted-Shops oder Ekomi in Deutschland. Das entsprechende Siegel muss im eigenen Shop implementiert werden.
Bleibt noch Amazon. Amazon.cz ist zwar ein funktionierender Marketplace, nimmt unter den Online-Marktplätzen in Tschechien allerdings nur eine zu vernachlässigende Rolle ein. Prinzipiell funktioniert Amazon in Tschechien genauso wie in anderen Ländern.
Auf typische Produktsuchmaschinen gehe ich an dieser Stelle nicht ein, da es nur um Direktverkäufe via Marketplace in Tschechien gehen soll.
Außerdem gibt es noch Nischen-Webshops, die jedoch mit Alza.cz und Co. nicht in direktem Wettbewerb stehen. Sie gehören zu einer anderen Liga, haben einen eigenen Platz im Markt und müssen eine andere Strategie entwickeln, um als Teil der Onlinemarktplätze in Tschechien erfolgreich zu sein.

2023 entstehen neue Marketplaces in Tschechien – die Wettbewerber kommen aus den Nachbarländern

Wie ich eben schon beschrieben habe, fahren die größten Player momentan am meisten Gewinn ein. Ein gut funktionierender Marketplace hat jedoch das Zeug dazu, das zu ändern. Und genau das könnte jetzt passieren. Sowohl Kaufland als auch Allegro haben vor, einen Marketplace in Tschechien aufzubauen.
Kaufland war digital bis einschließlich 2022 nur in Deutschland aktiv. Die Online-Marke Kaufland gibt es zwar erst seit 3 Jahren, vorausgegangen waren aber Online-Marken wie Real oder Hitmeister. In der Slowakei und in Tschechien entstehen die ersten ausländischen Marketplaces als Teil des internationalen Expansionskurses. Mitte Februar startete der Service in der Slowakei und Mitte April ging mit kaufland.cz die tschechische Version online.


Quelle: kaufland.de

Anfang Mai soll das tschechische Online-Portal von Allegro starten. Allegro ist der Nummer-1-Marketplace in Polen, das Unternehmen gehört zu den größten Portalen seiner Art in Mittel-/Osteuropa.


Quelle: allegro.cz

So sehen die Strategien von Kaufland.cz und Allegro.cz für ihren jeweiligen Marketplace in Tschechien aus

Mit Blick auf die Positionierung der verschiedenen Onlinemarktplätze in Tschechien stellt sich die Frage, ob und wie es den neuen Mitbewerbern gelingen wird, sich zu positionieren. Wird Allegro seinen Misserfolg wiederholen und wie einstmals in Deutschland schnell einen Schlussstrich unter das neue Portal ziehen, wenn Erfolge ausbleiben? Und wie wird sich der Marketplace von Kaufland in Tschechien entwickeln? Beide Plattformen setzen dabei auf unterschiedliche Strategien.
Kaufland setzt auf die Bekanntheit seiner Marke durch sehr viele stationäre Supermarkt-Filialen in ganz Tschechien. In Tschechien und der Slowakei zählt Kaufland zu den führenden Einzelhändlern.
Allegro hat im Jahr 2022 die konkurrierende Mall-Gruppe erworben – vielleicht gibt es hier in Zukunft einen Zusammenschluss zu einem großen Marketplace in Tschechien.
Beide Portale – Allegro wie auch Kaufland – konzentrieren sich auf mittel- bis langfristiges Wachstum. Es braucht Zeit, Kunden zu gewinnen und zu überzeugen, die neuen Portale beginnen bei null.
Eines ist sicher, in Tschechien steckt für Onlinemarktplätze jede Menge Potential. Nicht ohne Grund investieren große Player wie Kaufland oder Allegro vor Ort jede Menge Geld und Zeit in ihre tschechischen Online-Portale, um einen funktionierenden Marketplace in Tschechien aufzubauen.